Donnerstag, 11. Mai 2017

Verwirrendes Eherecht

„Dort soll demnächst in einem Referendum darüber abgestimmt werden, ob die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren in der Verfassung verboten werden soll.“ Bitte wie? Die Ehe zwischen Paaren wäre demnach bisher erlaubt gewesen? Von wie vielen? Zwei Paaren? Drei Paaren? Einem Dutzend? Überraschendes Rumänien.

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„Dort (in der Verfassung, Anm.) heißt es bisher lediglich, dass zwei Eheleute heiraten können (…) Wenn sie schon Eheleute sind, wenn sie heiraten, wäre das dann nicht Bigamie?

Freitag, 5. Mai 2017

Nur so zum Vergleich

Angenommen, Tschetscheniens Machthaber von Putins Gnaden, Kadyrow, hätte erklärt, er werde alle Juden umbringen, und hätte damit begonnen, als Juden identifizierte zu verschleppen, zu foltern und zu ermorden. Ich vermute fast, dass die Reaktionen andere wären – als wenn, wie jetzt, die Berichte nur irgendwelche Schwule betreffen.

Donnerstag, 13. April 2017

Muss man Identitätsbehauptungen „respektieren“?

Wenn einer verkündet, er sei jetzt ein Baum oder eine Telefonzelle, dann muss ich ihm nicht unbedingt widersprechen, aber glauben muss ich ihm auch nicht. Schon gar nicht muss ich „seine Entscheidung respektieren“. Dabei geht’s gar nicht in erster Linie um das Konstrukt „Natur“, sondern darum, dass die Vorstellung, jeder müsse die Kategorien, denen andere ihn zuordnen müssen, selbst bestimmen dürfen, bescheuert ist. So funktioniert Gesellschaft nicht. So funktioniert Realität nicht. Wenn X sagt, er sei in Wirklichkeit Y, dann mag das für ihn gelten, aber es verpflichtet mich nicht dazu, seine Überzeugung, wie ausgeprägt auch immer sie sich geben mag, zu teilen. Es ist ja auch absurd: Wieso sollte er ein unbedingtes Recht (zur Kategorienauswahl) und ich nur eine unbedingte Pflicht (zur Anerkennung seiner Wahl) haben? Habe ich nicht selbst auch ein Recht auf Wahrnehmung von Wirklichem und Feststellung von Wahrem? Sogar dann, wenn der zur Rede stehende Gegenstand etwas Subjektives ist? Und zumal wenn dieses als etwas Objektives behauptet wird? Gewiss ist es höflich und rücksichtsvoll, anderer Leute Lebensführung irgendwie hinzunehmen, sofern sie einen nicht betrifft. Daraus folgt aber nun wirklich keine Verpflichtung, alles, was jemand haben oder sein will, als legitimen Anspruch unterstützen zu müssen. Weder praktisch noch theoretisch. Wenn es einen Vorteil konstruktivistischer Analyse gibt, dann doch den, dass gewisse Unbedingtheiten in Frage gestellt werden können. Diskursiv hervorgebrachte Wahrheit ergibt nachweislich nur im gesellschaftlichen Kontext Sinn. Gerade darum sollte man nicht denselben Fehler wie die Verächter des Sozialkonstruktivismus machen, und aus der faktischen Konstruiertheit holterdipolter zur beliebig ausgestaltbaren Konstruierbarkeit übergehen. Ausgerechnet aus der gesellschaftlichen Bestimmtheit des Seins den unzulässigen Schluss zu ziehen, man könne jederzeit sein, was man wolle, und jeder müsse einem das bestätigen, ist essenzialistischer Infantilismus. Den lasse ich mir nicht aufnötigen, von keinem Baum und von keiner Telefonzelle.